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Showwelt

Hundeausstellungen einfach erklärt: Was CAC, CACIB, BOB & Co. bedeuten

Wie funktioniert eine Hundeausstellung? Wir erklären CAC, CACIB, BOB, BOS, BIG und BIS verständlich und geben persönliche Einblicke in die Showwelt.

29. September 20266 Min. Lesezeit
Hundeausstellungen einfach erklärt: Was CAC, CACIB, BOB & Co. bedeuten
Inhaltsverzeichnis

CAC, CACIB, BOB, BOS. Wer zum ersten Mal einen Ausstellungskatalog oder die Erfolge eines Rassehundes liest, versteht wahrscheinlich zunächst wenig davon.

Dabei ist das Grundprinzip einer Rassehundeausstellung gar nicht so kompliziert.

Im deutschsprachigen Raum spricht man meist von Rassehunde- oder Formwertausstellungen. International begegnet einem häufig der Begriff „Conformation Show“, in einigen Ländern auch der Bezeichnung Morphologie-Ausstellung. Gemeint ist grundsätzlich dasselbe: Ein ausgebildeter Richter beurteilt einen Hund danach, wie er dem offiziellen Standard seiner Rasse entspricht.

Für uns gehören Ausstellungen schon seit einigen Jahren zum Leben mit unseren Corgis. Dabei geht es uns längst nicht nur darum, Titel zu sammeln.

Was wird auf einer Hundeausstellung eigentlich bewertet?

Jede von der FCI anerkannte Hunderasse besitzt einen eigenen Rassestandard.

Darin wird beschrieben, welche Merkmale für die jeweilige Rasse typisch sind. Dazu gehören beispielsweise Körperbau und Proportionen, Kopf, Bewegung, Fell, Größe und das gewünschte Wesen.

Beim Welsh Corgi Pembroke ist das der offizielle FCI-Rassestandard Nr. 39. Der Pembroke gehört zur FCI-Gruppe 1 der Hüte- und Treibhunde.

Im Ring wird der Hund im Stand betrachtet und anschließend in Bewegung präsentiert. Dabei werden unter anderem Körperbau, Gebiss, Bewegung und weitere rassetypische Merkmale beurteilt.

Der Richter entscheidet also nicht einfach, welchen Hund er persönlich am schönsten findet. Grundlage ist der jeweilige Rassestandard. Innerhalb dieses Rahmens muss er allerdings selbst beurteilen, wie er die einzelnen Merkmale und das Gesamtbild eines Hundes gewichtet.

Zuchtrichter durchlaufen dafür eine entsprechende Ausbildung und erhalten Zulassungen für bestimmte Rassen oder FCI-Gruppen. Nicht jeder Richter darf also automatisch jede Rasse richten. Der VDH führt beispielsweise eine Zuchtrichterliste mit den jeweiligen Rassezulassungen.

Corgi Coco auf einer Hundeaustellung im trab und auf dem Tisch

Von der Klasse bis zum CAC und CACIB

Rüden und Hündinnen werden auf einer Ausstellung grundsätzlich getrennt bewertet. Zusätzlich werden die Hunde abhängig von ihrem Alter und teilweise bereits vorhandenen Titeln in verschiedene Klassen eingeteilt.

Dazu gehören beispielsweise Baby- und Jüngstenklasse sowie später Jugend-, Zwischen-, Offene, Champion- und Veteranenklasse.

Der Richter beurteilt die Hunde zunächst innerhalb ihrer jeweiligen Klasse und vergibt eine Formwertnote. Bei erwachsenen Hunden sind beispielsweise „Vorzüglich“, „Sehr gut“ oder „Gut“ möglich. Ein Hund kann auch niedriger bewertet oder bei entsprechenden Gründen disqualifiziert werden, was in der normalen Ausstellungspraxis allerdings eher selten vorkommt.

Anschließend werden die besten Hunde einer Klasse platziert.

Wichtig ist dabei: Formwertnote und Platzierung sind zwei verschiedene Dinge. Steht beispielsweise V1 im Richterbericht, bedeutet das „Vorzüglich“ und Platz 1 innerhalb der Klasse. V2 bedeutet entsprechend ebenfalls die Formwertnote „Vorzüglich“, aber Platz 2. Genauso kann es beispielsweise ein SG1 oder SG2 geben. Die Zahl sagt also nicht aus, wie gut die Formwertnote ist, sondern auf welchem Platz der Hund innerhalb seiner Klasse gelandet ist.

Bei entsprechendem Ergebnis kann der Richter zusätzlich eine Anwartschaft auf einen Championtitel vergeben. Hier begegnet man vor allem zwei Begriffen:

CAC steht für Certificat d'Aptitude au Championnat und bezeichnet vereinfacht eine Anwartschaft auf einen nationalen beziehungsweise vom jeweiligen Verband vergebenen Championtitel.

CACIB steht für Certificat d'Aptitude au Championnat International de Beauté und ist eine internationale Anwartschaft der FCI.

Ein CAC oder CACIB ist also noch kein Championtitel. Je nach Land und Titel muss ein Hund eine bestimmte Anzahl solcher Anwartschaften unter den jeweils geltenden Bedingungen sammeln. Auf diesem Weg können beispielsweise nationale Championtitel oder internationale FCI-Championtitel erreicht werden.

Daneben gibt es eigene Anwartschaften und Titel für Junioren und Veteranen sowie besondere Siegertitel, die auf bestimmten Ausstellungen vergeben werden. Die genauen Regeln unterscheiden sich nach Land und Veranstalter und würden an dieser Stelle wahrscheinlich weiter ins Detail gehen, als man zum Verständnis einer Ausstellung wissen muss.

Wer sich trotzdem genauer damit beschäftigen möchte, findet beim VDH die aktuellen Bestimmungen zu Championtiteln und bei der FCI Informationen zu internationalen Championtiteln.

Wie ich zur Showwelt gekommen bin

Mein erster Kontakt mit Hundeausstellungen liegt schon länger zurück. Bereits als Kind bekam ich erste Einblicke in diese Welt.

Richtig aktiv wurde ich dann 2021 mit Koda.

Seitdem waren wir mit unseren Hunden auf Ausstellungen in fünf verschiedenen Ländern. Gerade dadurch finde ich es spannend, unterschiedliche Richter, Ausstellungen und auch die teilweise etwas unterschiedliche Atmosphäre in den einzelnen Ländern kennenzulernen.

Natürlich freut man sich über eine gute Platzierung oder eine Anwartschaft. Mindestens genauso interessant finde ich aber die Einschätzung eines ausgebildeten Richters zum eigenen Hund und den Austausch mit anderen Züchtern und Haltern.

BOB, BOS und der Weg bis zum Best in Show

Nach den Bewertungen innerhalb der Klassen kann der Wettbewerb weitergehen.

Die entsprechend qualifizierten Hunde einer Rasse werden miteinander verglichen. Daraus können Best of Breed (BOB) und Best of Opposite Sex (BOS) hervorgehen.

BOB bedeutet vereinfacht: bester Hund der Rasse an diesem Ausstellungstag. BOS ist der beste Hund des jeweils anderen Geschlechts.

Auch für jüngere und ältere Hunde gibt es entsprechende Wettbewerbe wie Best Puppy, Best Junior oder Best Veteran.

Der BOB-Gewinner darf anschließend seine Rasse im Wettbewerb der jeweiligen FCI-Gruppe vertreten. Der Welsh Corgi Pembroke gehört beispielsweise zur FCI-Gruppe 1.

Gewinnt ein Hund auch dort, wird er Best in Group (BIG). Die Gruppensieger treffen schließlich im großen Ehrenring aufeinander, wo der Best in Show (BIS) gewählt wird.

Vereinfacht führt der Weg also von der eigenen Klasse über die Rasse und die FCI-Gruppe bis hin zum Best in Show.

Ein besonderes Erlebnis hatten wir dabei mit Koda auf einer internationalen Ausstellung in Thessaloniki. Nachdem er sich bei den Pembrokes durchgesetzt hatte, durfte er im Gruppenwettbewerb antreten und erreichte dort schließlich den zweiten Platz beim Best in Group.

Gerade weil im Gruppenwettbewerb die besten Vertreter verschiedener Rassen aufeinandertreffen, ist das bis heute einer unserer schönsten Ausstellungserfolge.

Auch Koda und Coco standen bei internationalen Ausstellungen schon gemeinsam im Ring im Wettbewerb um das Best of Breed. Wenn plötzlich die eigenen beiden Hunde zu denjenigen gehören, die um den Rassesieg laufen, ist das natürlich eine besondere Situation.

Corgi Koda auf einer CACIB mit 2. Platzierung in der FCI Gruppe 1 auf dem Podest

Ausstellungen und Zucht gehören oft zusammen

Rassehundeausstellungen haben in der organisierten Zucht häufig noch eine weitere Bedeutung.

Je nach Rasse und Zuchtverband können entsprechende Ausstellungsbewertungen zu den Voraussetzungen für eine Zuchtzulassung gehören. Damit wird ein zukünftiger Zuchthund nicht nur hinsichtlich der vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen betrachtet, sondern auch von zugelassenen Richtern hinsichtlich seines Erscheinungsbildes und seiner Übereinstimmung mit dem Rassestandard beurteilt.

Bei uns im Club für Britische Hütehunde (CfBrH) gehören beispielsweise zwei entsprechende Ausstellungsbewertungen zu den Voraussetzungen, die im Rahmen der Körung beziehungsweise Zuchtzulassung berücksichtigt werden.

Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich je nach Verein und Rasse. Für unsere Zucht gelten die jeweils aktuellen Kör- und Zuchtbestimmungen des CfBrH.

Auch die andere Seite des Rings

Inzwischen kenne ich Ausstellungen nicht mehr nur als Aussteller.

In zwei Ländern habe ich bereits bei der Bewertung von insgesamt mehr als 250 Hunden als Ringsekretär beziehungsweise Ringhelfer mitgearbeitet.

Bewertet werden die Hunde selbstverständlich ausschließlich vom Richter. Als Ringsekretär oder Ringhelfer unterstützt man den organisatorischen Ablauf, dokumentiert Ergebnisse und hilft dabei, dass die einzelnen Klassen reibungslos durchgeführt werden können.

Auch bei der jährlichen Ausstellung der Landesgruppe Württemberg des Club für Britische Hütehunde unterstütze ich als Ringhelfer oder Ringsekretär.

Dadurch erlebt man eine Ausstellung noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive. Man sieht viele verschiedene Hunde und Rassen und arbeitet direkt mit Richtern zusammen. Die Ausbildung zum Zuchtrichter könnte ich mir deshalb für die Zukunft durchaus vorstellen.

Wenn der Hund im Ring etwas zu gute Laune hat

Koda und Coco haben Ausstellungen immer sehr positiv kennengelernt. Aufmerksamkeit, gemeinsames Arbeiten und natürlich die dazugehörigen Leckerlis haben dazu geführt, dass beide teilweise ausgesprochen fröhlich und selbstbewusst durch den Ring gelaufen sind.

Das hat sogar schon für interessante Richterkommentare gesorgt.

Bei beiden wurde gelegentlich angemerkt, dass sie ihre Rute etwas zu fröhlich oder zu stolz tragen.

Für jemanden ohne Ausstellungserfahrung klingt das wahrscheinlich erst einmal seltsam. Im Ring bevorzugen manche Richter im Bewegungsablauf eine eher neutrale Rutenhaltung. Ein aufgeregter oder besonders motivierter Hund kann seine Rute dagegen deutlich höher tragen.

Für uns waren solche Kommentare deshalb manchmal fast ein kleines Kompliment. Die beiden hatten im Ring schlicht gute Laune.

Corgi Koda im Ring auf einer Hundeaustellung freudig mit der Rute nach oben

Die Showwelt ist kleiner, als man denkt

Wenn ich an unsere bisherigen Ausstellungen zurückdenke, sind es neben den überwiegend positiven Richterberichten vor allem die Begegnungen und einzelnen Erlebnisse, die mir in Erinnerung geblieben sind.

Auf einer Ausstellung haben wir beispielsweise die Züchterin von Cocos Vater persönlich kennengelernt und waren mir ihr gemeinsam sogar im Ring. Man sieht auf Ausstellungen also nicht nur andere Hunde derselben Rasse, sondern trifft teilweise Verwandte der eigenen Hunde und die Menschen hinter anderen Zuchtlinien.

Welsh Corgi Pembroke Coco im Ring auf einer Nachtaustellung mit der Züchterin ihres Vaters

Über die Jahre merkt man außerdem, dass die Showwelt gar nicht so groß ist, wie sie zunächst erscheint.

Wir haben inzwischen in fünf Ländern ausgestellt und treffen trotzdem immer wieder bekannte Gesichter. Aus einer kurzen Unterhaltung am Ring wird bei der nächsten Ausstellung ein Wiedersehen und irgendwann kennt man sich über Ländergrenzen hinweg.

Auch die Rollen können sich dabei überraschend schnell ändern. Es kann passieren, dass man an einem Ausstellungstag noch von einem Richter bewertet wird und dieselbe Person bei einer anderen Veranstaltung selbst als Ringhelfer oder in einer anderen Funktion rund um den Ring erlebt.

Gerade durch meine eigene Tätigkeit als Ringsekretär und Ringhelfer habe ich diese Seite der Showwelt noch stärker kennengelernt. Man verbringt einen ganzen Tag gemeinsam am Ring, sieht zahlreiche Hunde, spricht mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und trifft einige davon Monate später auf einer völlig anderen Ausstellung wieder.

Genau solche Erlebnisse sind für mich inzwischen genauso Teil einer Ausstellung wie CAC, CACIB oder Championtitel.

Die Schleifen nimmt man mit nach Hause. Viele der Menschen und Geschichten begegnen einem dagegen immer wieder.

Noch Fragen?

Wenn Sie Fragen zu unseren Corgis, zur Rasse oder zu einem Beitrag hast, schreiben Sie uns gerne.